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Weiße Rose - White Rose Hans + Sophie Scholl
"Die Weiße Rose"
"Sophie Scholl" |
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www.shoahproject.org/widerstand/weisserose/blattinx.htm !
Leaflet 2 / Flugblatt 2: [Kap. 58 & 29! - H.K.]
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If the people are barely aware that the government exists, they are happy. When the government is felt to be oppressive they are broken.
Good fortune, alas! builds itself upon misery. Good fortune, alas! is the mask of misery. What will come of this? We cannot foresee the end. Order is upset and turns to disorder, good becomes evil.
The people are confused. Is it not so, day in, day out, from the beginning?
The wise man is therefore angular, though he does not injure others; he has sharp corners, though he does not harm; he is upright but not gruff. He is clearminded, but he does not try to be brilliant.
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«Der, des Verwaltung unauffällig ist, des Volk ist froh. Der, des Verwaltung aufdringlich ist, des Volk ist gebrochen.
Elend, ach, ist es, worauf Glück sich aufbaut. Glück, ach, verschleiert nur Elend. Wo soll das hinaus? Das Ende ist nicht abzusehen. Das Geordnete verkehrt sich in Unordnung, das Gute verkehrt sich in Schlechtes.
Das Volk gerät in Verwirrung. Ist es nicht so, täglich, seit langem?
Daher ist der Hohe Mensch rechteckig, aber er stößt nicht an, er ist kantig, aber verletzt nicht, er ist aufrecht, aber nicht schroff. Er ist klar, aber will nicht glänzen.» |
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Whoever undertakes to rule the kingdom and to shape it according to his whim - I foresee that he will fail to reach his goal. That is all.
The kingdom is a living being. It cannot be constructed, in truth! He who tries to manipulate it will spoil it, he who tries to put it under his power will lose it.
Therefore: Some creatures go out in front, others follow, some have warm breath, others cold, some are strong, some weak, some attain abundance, others succumb.
The wise man will accordingly forswear excess, he will avoid arrogance and not overreach.
Lao-Tzu |
«Wer unternimmt, das Reich zu beherrschen und es nach seiner Willkür zu gestalten; ich sehe ihn sein Ziel nicht erreichen; das ist alles.»
«Das Reich ist ein lebendiger Organismus; es kann nicht gemacht werden, wahrlich! Wer daran machen will, verdirbt es, wer sich seiner bemächtigen will, verliert es.»
Daher: «Von den Wesen gehen manche voraus, andere folgen ihnen, manche atmen warm, manche kalt, manche sind stark, manche schwach, manche erlangen Fülle, andere unterliegen.»
«Der Hohe Mensch daher lässt ab von Übertriebenheit, lässt ab von Überhebung, lässt ab von Übergriffen»
Lao-tse |
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Wir bitten, diese Schrift mit möglichst vielen Durchschlägen abzuschreiben und weiterzuverteilen. |
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Hans Scholl 22.09.1918 - 22.02.1943 |
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Sophie Scholl 09.05.1921 - 22.02.1943 |
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Christof Probst 06.11.1919 - 22.02.1943 |
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Alexander Schmorell 16.09.1917 - 13.07.1943 |
© A. Kalmer, 2003
Man kann sich mit dem
Nationalsozialismus geistig nicht auseinandersetzen, weil er ungeistig ist. Es
ist falsch, wenn man von einer nationalistischen Weltanschauung spricht, denn
wenn es diese gäbe, müßte man versuchen, sie mit geistigen Mitteln zu beweisen
oder zu bekämpfen - die Wirklichkeit aber bietet uns ein völlig anderes Bild:
Schon in ihrem ersten Keim war diese Bewegung auf den Betrug des Mitmenschen
angewiesen, schon damals war sie im Innersten verfault und konnte sich nur durch
die stete Lüge retten. Schreibt doch Hitler selbst in einer frühen Auflage
«seines» Buches (ein Buch, das in dem übelsten Deutsch geschrieben worden ist,
das ich je gelesen habe; dennoch ist es von dem Volke der Dichter und Denker zur
Bibel erhoben worden):
"Man glaubt
nicht, wie man ein Volk betrügen muß, um es zu regieren"
Wenn sich nun am Anfang dieses Krebsgeschwür des deutschen Volkes noch nicht
allzusehr bemerkbar gemacht hatte, so nur deshalb, weil noch gute Kräfte genug
am Werk waren, es zurückzuhalten. Wie es aber größer und größer wurde und
schließlich mittels einer letzten gemeinen Korruption zur Macht kam, das
Geschwür gleichsam aufbrach und den ganzen Körper besudelte, versteckte sich die
Mehrzahl der früheren Gegner, flüchtete die deutsche Intelligenz in ein
Kellerloch, um dort als Nachtschattengewächs, dem Licht und der Sonne verborgen,
allmählich zu ersticken.
Jetzt kommt es darauf an, sich gegenseitig wiederzufinden, aufzuklären von
Mensch zu Mensch, immer daran zu denken und sich keine Ruhe zu geben, bis auch
der Letzte von der äußersten Notwendigkeit seines Kämpfens wider dieses System
überzeugt ist.
Wenn so eine Welle des Aufruhrs durch das Land geht, wenn <es in der Luft
liegt>, wenn viele mitmachen, dann kann in einer letzten, gewaltigen Anstrengung
dieses System abgeschüttelt werden. Ein Ende mit Schrecken ist immer noch besser
als ein Schrecken ohne Ende.
Es ist uns nicht gegeben, ein endgültiges Urteil über den Sinn unserer
Geschichte zu fällen. Aber wenn diese Katastrophe uns zum Heile dienen soll, so
doch nur dadurch:
durch das Leid gereinigt zu werden, aus der tiefsten Nacht heraus das Licht zu
ersehnen, sich aufzuraffen und endlich mitzuhelfen, das Joch abzuschütteln, das
die Welt bedrückt.
Nicht über die Judenfrage wollen wir in diesem Blatte schreiben, keine
Verteidigungsrede verfassen - nein, nur als Beispiel wollen wir die Tatsache
kurz anführen, die Tatsache, daß seit der Eroberung Polens dreihunderttausend
Juden in diesem Land auf bestialische Art ermordet worden sind. Hier sehen wir
das fürchterlichste Verbrechen an der Würde des Menschen, ein Verbrechen, dem
sich kein ähnliches in der ganzen Menschengeschichte an die Seite stellen kann.
Auch die Juden sind doch Menschen - man mag sich zur Judenfrage stellen, wie man
will -, und an Menschen wurde solches verübt. Vielleicht sagt jemand, die Juden
hätten ein solches Schicksal verdient; die Behauptung wäre eine ungeheure
Anmaßung; aber angenommen, es sagte jemand dies, wie stellt er sich dann zu der
Tatsache, daß die gesamte polnische adelige Jugend vernichtet worden ist (gebe
Gott, daß sie es noch nicht ist!)? Auf welche Art, fragen Sie, ist solches
geschehen? Alle männlichen Sprößlinge aus adeligen Geschlechtern zwischen 15 und
20 Jahren wurden in Konzentrationslager nach Deutschland zur Zwangsarbeit, alle
Mädchen gleichen Alters nach Norwegen in die Bordelle der SS verschleppt! Wozu
wir dies Ihnen alles erzählen, da Sie es schon selber wissen, wenn nicht diese,
so andere gleich schwere Verbrechen des fürchterlichen Untermenschentums? Weil
hier eine Frage berührt wird, die uns alle zutiefst angeht und allen zu denken
geben muß.
Warum verhält sich das deutsche Volk angesichts all dieser scheußlichsten
menschenunwürdigsten Verbrechen so apathisch? Kaum irgend jemand macht sich
Gedanken darüber. Die Tatsache wird als solche hingenommen und ad acta gelegt.
Und wieder schläft das deutsche Volk in seinem stumpfen, blöden Schlaf weiter
und gibt diesen faschistischen Verbrechern Mut und Gelegenheit, weiterzuwüten -
und diese tun es.
Sollte dies ein Zeichen dafür sein, daß die Deutschen in ihren primitivsten
menschlichen Gefühlen verroht sind, daß keine Saite in ihnen schrill aufschreit
im Angesicht solcher Taten, daß sie in einen tödlichen Schlaf versunken sind,
aus dem es kein Erwachen mehr gibt, nie, niemals? Es scheint so und ist es
bestimmt, wenn der Deutsche nicht endlich aus dieser Dumpfheit auffährt, wenn er
nicht protestiert, wo immer er nur kann, gegen diese Verbrecherclique, wenn er
mit diesen Hunderttausenden von Opfern nicht mitleidet. Und nicht nur Mitleid
muß er empfinden, nein, noch viel mehr: Mitschuld.
Denn er gibt durch sein apathisches Verhalten diesen dunklen Menschen erst die
Möglichkeit, so zu handeln, er erleidet diese «Regierung», die eine so
unendliche Schuld auf sich geladen hat, ja, er ist doch selbst schuld daran, daß
sie überhaupt entstehen konnte! Ein jeder will sich von einer solchen Mitschuld
freisprechen, ein jeder tut es und schläft dann wieder mit ruhigstem, besten
Gewissen. Aber er kann sich nicht freisprechen, ein jeder ist schuldig,
schuldig, schludig!
Doch ist es noch nicht zu spät, diese abscheulichste aller Mißgeburten von
Regierungen aus der Welt schaffen, um nicht noch mehr Schuld auf sich zu laden.
Jetzt, da uns in den letzten Jahren die Augen vollkommen geöffnet worden sind,
da wir wissen, mit wem wir es zu tun haben, jetzt ist es allerhöchste Zeit,
diese braune Horde auszurotten. Bis zum Ausbruch des Krieges war der größte Teil
des deutschen Volkes geblendet, die Nationalsozialisten zeigten sich nicht in
ihrer Gestalt, doch jetzt, da man sie erkannt hat, muß es die einzige und
höchste Pflicht, ja heiligste Pflicht eines jeden Deutschen sein, diese Bestien
zu vertilgen.
«Der, des Verwaltung unauffällig
ist, des Volk ist froh. Der, des Verwaltung aufdringlich ist, des Volk ist
gebrochen. [58; 1-4]
Elend, ach, ist es, worauf Glück sich aufbaut. Glück, ach, verschleiert nur
Elend. Wo soll das hinaus? Das Ende ist nicht abzusehen. Das Geordnete verkehrt
sich in Unordnung, das Gute verkehrt sich in Schlechtes.
[58;5-10]
Das Volk gerät in Verwirrung. Ist es nicht so, täglich, seit langem?
[58;11-12]
Daher ist der Hohe Mensch rechteckig, aber er stößt nicht an, er ist kantig,
aber verletzt nicht, er ist aufrecht, aber nicht schroff. Er ist klar, aber will
nicht glänzen.» [58;13-17]
Lao-tse
«Wer unternimmt,
das Reich zu beherrschen und es nach seiner Willkür zu gestalten; ich sehe ihn
sein Ziel nicht erreichen; das ist alles.»
[29;1-2]
«Das Reich ist ein lebendiger Organismus; es kann nicht gemacht werden,
wahrlich! Wer daran machen will, verdirbt es, wer sich seiner bemächtigen will,
verliert es.»
[29;3-6]
Daher:
«Von den
Wesen gehen manche voraus, andere folgen ihnen, manche atmen warm, manche kalt,
manche sind stark, manche schwach, manche erlangen Fülle, andere unterliegen.»
[29;7-10]
«Der Hohe Mensch daher läßt ab von Übertriebenheit, läßt ab von Überhebung, läßt
ab von Übergriffen»
[29;11-13]
Lao-tse
Wir bitten, diese Schrift mit möglichst vielen Durchschlägen abzuschreiben und
weiterzuverteilen.
zitiert aus: "Die
Weiße Rose" von Inge Scholl, Fischer Taschenbücher, ISBN 3-596-11234-6, Januar
1992
[Kapitel-Nr. und Abschnitte ergänzt! -
Dr. H. Klaus]
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73 74 75 76 77 78 79 80 81
© Dr. Hilmar KLAUS Aachen/Germany 2002 ff.