Dr. Hilmar Alquiros 道德經 2000-2020     PUB! © All Rights Reserved Impressum

 

Commentaries 01-40 Kommentare

 

01

王弼 Wáng Bì 01

W:道可道,    非常道    名可名非常名
     無名    天地之始有名    萬物之母
     故常[ ]    以觀常有欲    以觀其   
     此兩者    同出    而異名同謂之玄
     玄之又玄    眾妙之門

 

河上公 Héshàng Gōng 01

H: 道可道    非常道    名可名非常名
     無名天地之始有名萬物之母
     故常無[ ]以觀其妙常有欲以觀其   
     此兩者同出    而異名同謂之玄
     玄之又玄    衆妙之門

 

傅奕 Fù Yì 01

F: 道可道,    非常道    名可名非常名
     無名    天地之始有名    萬物之母
     故常無[ ]    以觀其妙常有欲    以觀其   
     此兩者    同出    而異名同謂之玄
     玄之又玄    眾妙之門

 

北大 Běi Dà 01

B: 道可道,    非恒道名可也。                        *
     無名萬物之始也;有名萬物之母也。
    
[ ]    以觀其眇有欲    以觀其
     此兩者    同出    異名    同謂
     玄之眾眇之門
              [ yì archaic final particle] *

 

馬王堆 Mǎwángduī  01

M:道可道也∠     也∠ 名可名
     無名
    萬物之始也∠ 有名    萬物之母
      □ [ ]以觀其眇有欲以觀       
     兩者    同出    異名           
         之有玄        眾眇之    

 

馬王堆 Mǎwángduī  01

m: 道可道也     □ □ □       □ □ □      
     無名    萬物之始有名    萬物之母
     [ ] □  □ □  □     恆又以觀亓       
     兩者    同出    異名           
         之又玄        眾眇之門   

 

 

„Die Vernünftigkeit – will nicht Gott, als er Gott ist. Warum? Da hat er Namen; und wären tausend Götter, sie bricht immer mehr durch, sie will ihn da, da er nicht Namen hat.“ 
Meister Eckharts mystische Schriften,
übertr. v. Gustav Landauer, Berlin 1903, S.16

 

01 - The Mystical Way

 Laozi used the two meanings of Dào as a pun to introduce his agnosticism, which is comparable so early only with the Rigveda and with Protagoras.

 
 

 01-06:

 A Dào you can explain

 is not the timeless Dào.

 

 Concepts you can conceive

 are not the timeless concepts.

 

 World's beginning is inconceivable, 

 conceivable only as everything's origin.

 01-02 To explain means to pin down to time and space, so feasible to phenomena inside our limited spacetime.

 
 Outside space and time, beyond the realm of reality, all claim of pinning down
'some-thing' ends in the imaginary, unimaginably timeless abyss of absolute nothingness.

 

 03-04 Correspondingly, within the subjective world of consciousness, the principle of naming as designation is put out of function.
 C
oncepts of the inconceivable transcendence are conceited non-words for the imaginary timelessness; designations are usable only since the outing of nothingness into 'every-thing' of beingness within spacetime.

 05-06 Time started simultaneously as a projection of spacetime, hence time zero is unintelligible, only imaginable as primordial mother of 'every-thing'.

 

 07-10:

 Therefore: Without permanent desire,

 contemplate its deep secret;

 with permanent desire,

 contemplate its limitations.

 07-10 If our awareness is still driven by any desires, we perceive surface or limitings of the phenomena of this mortal world; yet when our consciousness is free of any desires, we contemplate and apperceive subtlety and mystery in the depth.

 To stick to the silhouette of the outer world lets disclose the wonders of
beingness, to comply with the inner world of contemplation lets enlighten the miracle of nothingness.

 11-15:

 These both emerge from one,

 but differ in names:

 together call them dark.

 

 Darkness' even deeper darkness –

 all mysteries' gate.

 11-12 'These both' was interpreted because referred differently through the centuries, as:

 

 [ Being & Nothingess (Buddhism),
 
[ beginning & mother [Wáng Bì],
 [ with desire & without desire [et.al.],  
 
[ nameless & named [v. Strauß],
 
[ secret & limitations  [h.a.] = last lines:

 = last lines: all those opposites have different designations, yet they emerge from the same origin: that grand unity of all opposites.

 

 13-15 Hence, this unity might be called dark and obscure, profound and hidden, mysterious and mystic.

 

 Dark as obscure and silent, let emerge beginning and 'mother': by Lǎozĭ not 'defined', but only 'designated' as the dark:
 "The 'Dark' ... cannot be designated as being thus [and nothing else]. Should one designate it as being thus [and nothing else] it would definitely [sic!] not be permitted to define it as one [specific] Dark. If one were to definite as being, one [specific] Dark and nothing else, this would be a definition, and that would be far off the mark. That is why
Lǎozĭ says 'Dark and Dark Again'." [Wáng Bì / Wagner 2003 p. 122-123].

 

 The darkest of all darkness that color of infinity; the ultimate gate to the Absolute Nothingness... the creative potential of transcendent Dào.

„Die Vernünftigkeit – will nicht Gott, als er Gott ist. Warum? Da hat er Namen; und wären tausend Götter, sie bricht immer mehr durch, sie will ihn da, da er nicht Namen hat.“ 
Meister Eckharts mystische Schriften,
übertr. v. Gustav Landauer, Berlin 1903, S.16

 

01 - Der Mystische Weg

 Laozi nutzte die beiden Bedeutungen von Dào als Wortspiel, um seinen Agnostizismus einzuführen, der so früh nur mit dem Rigveda und mit Protagoras vergleichbar ist.

 

 01-06:

 Kann man Dào erklären,

 ist es nicht jenes zeitlose Dào.

 

 Kann man Begriffe begreifen,

 sind es nicht jene zeitlosen Begriffe.

 

 Unbegreiflich ist der Uranfang der Welt,

 begreiflich nur als aller Dinge Ursprung.

 01-02 Erklären meint einordnen in Zeit und Raum, so machbar mit Phänomenen innerhalb unserer begrenzten Raumzeit. 
 Außerhalb von Raum und Zeit, jenseits des Reiches der Realität, endet jeglicher Anspruch, etwas einzuordnen in den imaginären, unvorstellbar zeitlosen Abgrund des absoluten Nichts.

 03-04 Dazu korrespondierend, wird innerhalb der subjektiven Welt des Bewusstseins das Prinzip des Benennens als Bezeichnen außer Kraft gesetzt. 
 Begrifflichkeiten zur unvorstellbaren Transzendenz sind eitle Un-Wörter für die imaginäre Zeitlosigkeit; Be-zeichnungen sind nur von Nutzen, seitdem das Nichts hervortrat in jegliche Seiendheit innerhalb der Raumzeit.

 

 05-06 Die Zeit begann gleichzeitig als Projektion der Raumzeit, daher ist die Zeit Null verstandesmäßig nicht zu begreifen, nur vorstellbar als Urmutter aller Dinge.

 

 07-10:

 Daher: Ohne ständiges Begehren

 erschaue sein Geheimnis,

 mit stetem Begehren

 erschaue seine Begrenzungen.

 07-10 Falls unsere Bewusstheit von Begehrlichkeiten getrieben ist, nehmen wir Oberfläche und Begrenzungen der Phänomene in der Welt des Diesseits wahr; doch wenn unser Bewustsein befreit ist von den Begehrlichkeiten, erschauen wir und nehmen bewusst die Feinsinnigkeiten und das Geheimnis in der Tiefe wahr.
 Sich an den Umriss der äußeren Welt halten lässt uns die Wunder des Seins enthüllen, mit der inneren Welt der Kontemplation in Einklang stehen lässt uns das Geheimnis des Nichts erhellen.

 

 11-15:

 Diese beiden erwachsen aus Einem,

 doch unterschiedlich bezeichnet:

 gemeinsam nenne sie tief und dunkel.

 

 Der Tiefe immer Unergründlicheres –

 aller Geheimnisse Pforte.

 11-12 'Diese beiden' wurde durch die Jahrhunderte hindurch unterschiedlich interpretiert und bezogen,
als:

 [ Sein & Nichts (Buddhismus),
 
[ Beginn & 'Mutter [Wáng Bì],
 
[ mit Begehren & ohne Begehren [et.al.],
 
[ Namensloses & Namen-Habendes [v. Strauß];
 
[ Geheimnis & Begrenzungen [h.a.],

 = letzte Zeilen: all jene Gegensätze führen unterschiedliche Bezeichnungen, treten jedoch heraus aus dem gleichen Ursprung: der großen Einheit der Gegensätze.

 13-15 Daher mag diese Einheit dunkel und unklar genannt werden, tiefgründig und verborgen, geheimnisvoll und mystisch.

 Dunkel als obskur und schweigend, ließ den Anfang und jene 'Mutter' entstehen: von Lǎozĭ nicht 'definiert', sondern bloß 'bezeichnet' als das Dunkle:
 "Das 'Dunkle' ... kann niciht bezeichnet werden als Sosein [und nichts anderes]. Sollte man es bezeichnen als
Sosein [und nichts anderes], wäre es definitiv [sic!] nicht erlaubt, es als ein [spezifisches] Dunkles zu definieren. Wenn man es definieren sollte als ein [spezifisches] Dunkles zu sein und nichts anderes, wäre dies eine Definition, und dies wäre weit gefehlt. Darum also sagt  Lǎozĭ 'Dunkles und wiederum Dunkles'." [Wáng Bì / Wagner 2003 p. 122-123].

 Das Dunkleste alles Dunklen jene Farbe der Unendlichkeit; das letztmögliche Tor zum absoluten Nichts ... dem schöpferischen Potential des transzendenten Dào.

 

 

 

 

02

王弼 Wáng Bì 02

W:天下皆知美之為美斯惡已皆知善之為善
         斯不善已故有無相生難易    相成
    
    長短    相形高下    相傾音聲    相和
     前後
    是以聖人處無為之事
     行不言之教萬物作焉而不    生而不有    ,

     為而不恃    功成而弗居夫唯弗居
     是以不去                           

 

河上公 Héshàng Gōng 02

H: 天下皆知美之為美斯惡已皆知善之為善
         斯不善已故有無相生難易    相成
    
    長短    相較高下    相傾音聲相和
     前後
    相隨是以聖人處無為之   
     行不言之教萬物作焉而不
    生而不有    ,

     為而不恃    功成而弗居夫唯弗居
     是以不去
                           

 

傅奕 Fù Yì 02

F: 天下皆知美之為美斯惡已皆知善之為善
         斯不善已故有無相生難易相成
         長短相形高下相傾音聲相和
     前後是以聖人處無為之事
     行不言之教萬物作    而不爲始生而不有    ,

     為而不恃    功成    不處不處
     是以不去                           

 

北大 Běi Dà 02

B: 天下皆美之為美    善之為善
    
    斯不善已故有無相生難易相成
     高下之相頃言 聲
相和
     後之相隨
是以聖人無為之事,   
    
行不言之教萬物作    弗辤

     為而弗侍成功而弗居夫唯弗居
     是以弗去
                        

 

馬王堆 Mǎwángduī  02

M:天下皆知美    為美    惡已 皆知善               
         斯不善無之相生難易相成
         長短    高下也∠ 音聲相和
     隋恆
是以聖人無為之       
     □  □ □  □ □  □ □  □ □  □
 

     為而弗也         成功而弗居也∠ 夫唯   
    
是以不去                           

 

馬王堆 Mǎwángduī  02

m: 天下皆知美之為美            皆知善               
         斯不善     □  □ □  □ 難易相成
         長短    高下也    音聲相和
     隋恆
是以聖人無為之       
     行不言之教
     萬物       弗始           

     為而弗也        功而弗居     夫唯弗居   
    
是以不去                           

 

Guōdiàn A9 = 2, 1–8, 10–12, 14–17

G: 天下皆美之為美也,    亞已            
     此其不善已相生也,難惕相成也,
     長短    也,高下也,聖之相和也,
     相墮也。是以聖人亡為之事
     行不言之教萬勿作    弗始    也,                       

     為而弗志也,    成而    弗居夫唯弗居也,
     是以弗去也。是以弗去也。

 

 

 

 

02 - The Unity of Opposites

 Dào as the Unity of Opposites is ultimately symbolized in the ancient Yin and Yang symbol  太極圖 Tài jí tú dynamically flowing into each other [.

 

 01-02:

 If everybody worldwide is aware of
 
beauty's acting as beauty,
 then of ugliness, as well.

 If everybody is aware of
 
goodness
's acting as goodness,
 then of the not good, as well.

 01-02 This most basic natural law shows its validity in the philosophical categories of esthetics and ethics: every human entity is aware of how beauty and goodness, in their  intuitive distinctions, create simultaneously and inevitably their own opposites ugliness and evil.

 
 

 03-08:

 Therefore: Being and nothingness
 mutually generate,

 difficulty and easiness
 complete each other
;

 

 length and shortness
 mutually mould;

 height and depth
 lean towards
each other;

 

 sound and voice
 mutually harmonize;

 before and after
 follow
each other!

 03-08 The same primordial principle of Heraklit's enantiodromia everything is flowing, changing and exchanging reversibly into each other -  rules the universe of reality on the one hand, and the world of reality perception on the other hand.
 "Enjoying and getting angry [thus] come out of the same door; therefore it is not possible to take up [only one of them] unilaterally. These six [pairs following the initial statement] all proffer clear evidence that nothing in 'That-which-is-of-itself-what-it-is'
自然!
can be take up unilaterally" [* Wáng Bì / Wagner].

 
  Ab initio routed in the
duality of beingness and nothingness, it must be true in the applied ontological levels of space and time,  as well as for intellectual and emotional consciousness.

 

 09-16:

 Hence: Wise men stay
 non-interfering
in affairs,

 and practise teaching
 
without words.

 

 Myriad creatures thus arise,
 
yet not declining;

 they emerge,
 yet not possessing;

 they act,
 yet not claiming.

 

 They accomplish their tasks
 without
dwelling on it:

 for just not dwelling on it,
 
so
they do not vanish.

 09-10 The fundamental Dàoist concept of 無為 wú wéi as effortless acting is based on the principle of 自然 zì rán "self so", thus "naturally; spontaneously": in individual life as well as in ruling the state.

 
 Consistently, practising
Dào means interfering as least as possible into the harmony of Nature and her intrinsic, immanent power of selfregulating.

 
 No intentional intervening at all will prevent damage: easily, doubtless, elegantly
like teaching as an indis-cernible role-model will do without words.

 11-13 Thus, the wise men's unintentional impartiality and nonintervention let incessantly unfold the diversity of entities.
 Wordless teachers appear to promote, not to possess; their acting without acting will never claim any merits.

 

 14-16 "It is exactly because he does not install [himself in these particular achievements] that they do not disappear." [*]: dependent on the Sage only, they could not persist.
 Because of their unselfish attitude, they accomplish their tasks, yet will never dwell on them.
 And just for not resting on their laurels, the wise men will not get lost in oblivion!

 

02 - Die Einheit der Gegensätze

 Dào als die Einheit aller Gegensätze wird letztgültig im uralten Yin-Yang-Symbol 太極圖 Tài jí tú symbolisiert: komplementär und dynamisch ineinander fließend [.

 

 01-02:

 Ist sich weltweit jeder bewusst
 des Schönen Wirkung als Schönheit,
 dann
ebenso des Hässlichen.

 Ist sich weltweit jeder bewusst
 des Guten Wirkung als Güte,
 dann ebenso des nicht Guten.

 01-02 Dieses höchst grundlegende Naturgesetz zeigt seine Gültigkeit ebenso in den philosophischen Kategorien der Ästhetik und Ethik: jedes Menschenwesen wird gewahr, wie sich Schönheit und Güte in ihren inituitiven Unterscheidungen gleichzeitig und unausweichlich ihre eigenen Gegenteile Hässlichkeit und Übel erschaffen.

 

 03-08:

 Somit: Sein und Nichts
 erzeugen
einander,

 Schwere und Leichtigkeit
 vollenden einander, 

 

 Länge und Kürze
 formen einander,

 Hohes und Tiefes
 neigen sich zueinander,

 

 Ton und Stimme
 harmonieren miteinander,

 Zuvor und hernach
 folgen einander!

 03-08 Das gleich Urprinzip, Heraklits Enantiodromie alles fließt, wandelt und verwandelt sich umkehrbar in sein Gegenteil beherrscht das Universum der Realität einerseits und die Welt der Realitätswahrnehmung andrerseits.
 "Sich erfreuen und ärgerlich werden kommen [folglich] aus der gleichen  Tür heraus; daher ist es
nicht möglich [nur eines von ihnen] einseitig aufzugreifen. Diese sechs [Paare, die aus dem Anfangsfestellung folgen] bringen alle den klaren Beweis dafür hervor, dass nichts
in
自然 'Dem-was-aus-sich-selbst-ist-was-es-ist'  einseitig auf-gegriffen werden kann" [Wáng Bì / Wagner].
 
 Von Beginn an verwurzelt in der Dualität von Sein und Nichts, muss es ebenso wahr sein in den angewandten ontologischen Ebenen von Raum und Zeit wie auch für das intellektuelle und emotionale Bewusstsein.

 

 09-16:

 Daher verbleiben weise Menschen
 in allen Angelegenheiten

 ohne eingreifendes Handeln,
 
praktizieren die Lehre ohne Worte.

 

 Alle Geschöpfe entfalten sich da,
 doch lassen nicht nach;

 sie treten hervor,
 doch nicht besitzergreifend;

 sie bewirken,
 doch nicht darauf pochend.

 

 Sie vollbringen Aufgaben,
 doch verweilen nicht dabei:

 denn gerade nicht dabei verweilend,
 so entschwinden sie nicht.

 09-10 Das fundamentale Dàoistische Konzept des 無為 wú wéi als müheloses Handeln basiert auf dem Prinzip des 自然 zì rán "von selbst so", somit "natürlicherweise; spontan": im individuellen Leben ebenso wie im Leiten eines Staates.
 Konsequenterweise bedeutet das Praktizieren des
Dào so wenig wie möglich einzugreifen: in die Harmonie der Natur und ihrer intrinischen, immanenten Kraft der Selbstregulierung.
 Keinerlei absichtsvolle Einmischung wird
Schaden verhüten: mühelos, zweifellos, elegant - wie es auch wortloses Lehren als unmerkliches Vorbild zu tun vermag.

 11-13 Demzufolge lassen absichtslose Unparteilichkeit und Nichteingreifen des Weisen die Mannigfaltigkeit der Wesen unaufhörlich entfalten.
 Lehrer ohne Worte erscheinen um zu fördern, nicht zu besitzen; ihr Handeln ohne zu handeln wird niemals irgendwelche Verdienste beanspruchen.

 14-16 "Es ist genau darum, dass sie sich nicht [mit diesen besonderen Leistungen] aufspielen, dass sie nicht entschwinden." [*]: nur vom Weisen abhängig könnten sie nicht fortdauern.
 Aufgrund ihrer selbstlosen Einstellung erfülen sie ihre Aufgaben, doch niemals verweilen sie dabei.
 Und gerade, da sie sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, werden sie nicht in Vergessenheit geraten!

 

 

 

 

03

王弼 Wáng Bì 03

W:不尚賢 使民不爭不貴難得之貨
     使民不為盜不見可欲使民心不亂
     是以聖人之治     虛其心實其腹弱其志   
     強其骨常使民無知無欲
     使夫智者不敢為也。為無為則無不治   

 

河上公 Héshàng Gōng 03

H: 不尚賢使民不爭不貴難得之貨
     使民不為盜不見可欲使    心不亂
     是以聖人之治     虛其心實其腹弱其志   
     強其骨常使民無知    無欲
     使夫智者不敢為也。為無為則無不治   

 

傅奕 Fù Yì 03

F: 不尚賢 使民不爭不貴難得之貨
     使使民不為盜不見可欲使民心不亂
     是以聖人之治虛其心實其腹弱其志   
     強其骨常使民無知    無欲
     使夫者不敢為    為無為則無不爲矣

 

北大 Běi Dà 03

B: 不上賢使民不爭不貴難得之貨
     使民不為盜不見可欲使    心不亂
     是以聖人之治也,虛其心實其腹弱其志
   
     強其骨恒使民無    無欲
     使夫智    不敢
    、        弗為則無不治

 

馬王堆 Mǎwángduī  03

M:     □  □  □  □      □  □  □ □  □  □     
      □ 民不為     □  □  □      □  
       不亂
     是以聲人之
          □  □  □     □  □  □      □  □  □  □
     強其骨    使民無知     無欲
     使                                                                  
          

 

馬王堆 Mǎwángduī  03

m:     使民不爭    不貴難得之貨   
     使民不為盜   
不見可欲    使民不亂   
     是以聖人之治虛亓心   
實亓腹    弱亓志       
     強亓   
恆使民無知    無欲
     使夫    不敢       
而已    則無不治   

 

 

 

03 - Simplicity

 [ The basic Dàoist principles are universal: they hold true for unanimate and animate systems, simple and complex life forms, soulless and ensouled entities, and for individual and society.

 [ Preparing the transition of Dàoist insights onto the level of sagacious rulers, Lǎozĭ unfolds the essential traps for the human heart: desire and covetousness.


 

 01-06:

 Not glorifying proficient ones

 prevents people from competition.

 

 Not overvaluing goods hard to obtain

 let them not commit robbery.

 

 Not to display desirable things

 lets their hearts unconfused.

 01-02 Referring to other people, that will lead as envy and jealousy, or disguised in admiring and glorifying to competition and missing the third of the Three Treasures in ch. 67.
 Not elevating and exalting the proficient and honorable will avoid the downward spiral of competition.

 

 03-06 Referring to objects, rarity feeds robbery (ch. 53); wise men hide their jewels (ch. 70), wise leaders their wealth and weaponry.

 

 07-11:

 Therefore, wise men's governing will ...

 alleviate their desires,

 satisfy their needs,

 dampen their hearts,

 strengthen their core.

 07-11 Therefore, wise rulers as role-models avoid all extremes, extravagancies and excesses (ch. 29), to dampen people's desire, and to allay their hearts [am-bition], but to strenghten the core of body and mind, and to nurture their Inner Power.
 "He empties [that which] has knowledge* [the heart] and fills [that which] has no knowledge [the belly]. Bones are without ambition and therefore strong. Ambitions create incidents and therefore lead to chaos. [In this manner] he permanently prompts the people to be without knowledge and desires."
[* Wáng Bì / Wagner].
 
* "'Those who have knowledge' refers to those who have knowledge about [how to] act. If [they] engage in non-interference there will be nothing that is not well-ordered. [Ditto for those who have desires].
[*].

 

 

 12-15:

 Constantly, they let people

 without cunning and desire,

 

 let those with knowledge

 not dare to interfere.

 

 To act without interfering

 leaves nothing undone.

 12-13 Competition gives birth to cunning wise leaders constantly prevent such malpractice of pure knowledge.
 They let superior people not dare to misuse the inferior ones
by interfering in the spontaneous self-regulating of social systems.

 14-15 Non-interfering means acting without acting: sagacious rulers trust in the fundamental Dàoist concept of 無為 wú wéi (ch. 02) as effortless way to let nothing undone.

 

03 - Schlichtheit

 [ Die daoistischen Grundprinzipien gelten universell: gleichermaßen für unbelebte wie belebte Systeme, einfache und komplexe Lebensformen, seelenlose und beseelte Wesen, und für Individuum und Gesellschaft.

 [ Um die Überführung der daoistischen Einsichten auf die ebene des weisen Herrschers vorzubereiten, legt Laozi die wesentlichen Fallen für das menschenliche Herz offen: Begehrlichkeit und Habsucht.
 

 01-06:

 Tüchtige nicht verherrlichen

 lässt Menschen nicht wettstreiten.

 

 Schwer zu erlangende Güter nicht überschätzen

 lässt das Volk keine Raub begehen.

 

 Begehrenswertes nicht präsentieren

 lässt der Leute Herz unverwirrt.

 01-02 Auf andere Leute bezogen, führt dies - als Neid und Efersucht, oder verkleidet als Bewundern und Verherrlichen zu Wettbewerb und zum Abhan-denkommen des Dritten der Drei Schätze in Kap. 67.
 Die Tüchtigen und Ehrenwerten nicht zu erhöhen und verherrlichen vermeidet die Abwärtsspirale des Wettkampfs.

 03-06 Bezogen auf Gegenstände verleitet Rarität zur Räuberei (Kap. 53); weise Menschen verstcken ihre Schätze (Kap 70), weise Führer Wohlstand und Waffen.

 

 07-11:

 Daher wird des Weisen Regieren ...

 ihre Begehrlichkeiten lindern,  

 ihre Bedürfnisse befriedigen,

 ihren Ehrgeiz dämpfen,

 ihre Mitte stärken.

 07-11 Daher meiden weise Herrscher als Vorbilder Übersteigerung, Übertreibung, Übermaß (Kap. 29), um die Begehrlichkeiten des Volkes zu dämpfen und ihr Herz [ihren Ehrgeiz] zu lindern, jedoch den Kern von Leib und Seele zu stärken und ihre Innere Kraft zu fördern.
 "Er leert [das was] Wissen
* hat [the heart] und füllt [das was] kein Wissen hat [the belly]. Knochen sind ohne Ambition und daher stark. Ehrgeiz schafft Vorfälle und führt daher zum Chaos. [Auf diese Weise] veranlasst er andauernd das Volk, ohne Wissen und Begehrlichkeiten zu sein."
[* Wáng Bì / Wagner].
 
* "'Jene, die Wissen haben' bezieht sich auf jene, die Wissen haben über [wie zu] handeln. Wenn [sie] das Nicht-Eingreifen betreiben, wird es nichts geben, das nicht wohlgeordnet ist. [Dito für jene, die Begehrlichkeiten haben."
[*].

 

 12-15: 

 Beständig belassen sie das Volk
 ohne
Schläue
und Begehrlichkeiten,

 

 und jene mit Schläue
 lassen
sie
nicht wagen einzugreifen.

 

 Handeln ohne einzugreifen

 lässt alsdann nichts unerledigt.

 12-13 Wettkampf gebiert Schläue weise Führer verhüten allemal derlei Fehlnutzung reinen Wissens.
 Sie lassen es die Überlegenen nicht wagen, die Unter-legenen zu missbrauchen
durch den Eingriff in die spon-tane Selbstregulierung sozialer Systeme.

 14-15 Nicht-Eingreifen meint handeln ohne zu handeln: verständige Herrscher vertrauen in das grundlegende daoistische Kenzept des 無為 wú wéi (Kap. 02) als mühelosen Weg, nichts ungetan zu lassen.

 

 

 

 

04

王弼 Wáng Bì 04

W:而用之    或不盈   
             兮似萬物之宗
     挫其銳    解其紛和其光同其塵
             兮似或存
     吾不知誰之子    象帝之先

 

河上公 Héshàng Gōng 04

H: 而用之    或不盈   
             兮似萬物之宗
     挫其銳解其紛和其光同其塵
             兮似
     吾不知誰之子    象帝之先

 

傅奕 Fù Yì 04

F: 而用之不盈   
             兮似萬物之宗
     挫其銳解其紛和其光同其塵
     
        兮似或存
     吾不知誰之子    象帝之先

 

北大 Běi Dà 04

B: 而用之    。
         萬物之宗
     㭫其和其光同其
         或存
     吾不        象帝之先

 

馬王堆 Mǎwángduī  04

M: □  □ □  □ □      □  □ 也∠
     瀟呵        萬物之宗∠ 
     銼其    ∠  和其光    □  □
      □  □      □     或存
     吾不知 □         也∠ 象帝之先

 

馬王堆 Mǎwángduī  04

m: 而用之    弗盈也   
             萬物之宗   
     銼亓       
和亓光    同亓塵   
        
    或存   
     吾不知也    象帝之先   

 

 

 

04  - Inscrutability

 [ "Dào, described as a paradoxical polarity: It stands for the emptiness of infinite potentiality." [Simon].

 [ The transcendental part of Dào beyond the singularity borderline, Nothingness, means at the same "time" the ultimate potentiality.

 

 01-04:

 Dào: like pouring out, however, in use,

 likely not to fill.

 

 Abysmally deep, oh,

 seemingly all beings' prime cause.

 01-02 As the vacuum within the existing universe is already a plethora of virtual shortest-time beingness, even more the creative emptiness in the imaginary realm of nothingness is infinitely overflowing.

 
 Yet
this formless void is never to "fill" or to exhaust wisely yearning for time-wise beingness.

 

 03-04 The primordial symmetry breaking of the grand unity of being and non-being emerged from the purest potentiality.
 Seeming abysmally inconceivable in its profound-ness, all being's prime cause is designated by all creatures as most ancient ancestor: "time-wisely" yearning for timeless non-beingness.

 

 05-08:

 It blunts their sharpness,

 dissolves their entanglement,

 softens their glare,  

 becomes one with their dust.

 05-08 Borrowed from ch. 56:

 [ the balancing and redeeming character of Dào now in its immanent part is elucidated in four illustrations.

 [ Sharpness, entanglement, glare, and 'non-One-ness' are relieved by the gentleness of Dào: little by little, towards the originally unbroken symmetry.
 
[ At the end of the day of days, all creatures are released in oneness with their earthly dust, all objects with their star dust.
 This identification of Dào even with the dust of the creatures was mentioned as similar to the Christian idea of the synthesis of creator and creature [
v. Strauß 1870 p. 25].

 

 09-12:

 Concealed, oh,

 it seems to 'exist' as pure possibility.

 

 Whose child it be? I do not know:

 evidently the prelude to the 'Lord' of Heaven!

 09-10 The potentiality of Nothingness is already dreaming of the possibility of Something.

 11-12 In the Dàodéjīng , the 'Lord (of Heaven)', is mentioned only here: even this once highest god is reduced by Dào as its precursor.
 The child is looking fo
r its ancestry: agnostic honesty worships the nameless, 'time-less', inconceivable Dào, the heavenly prelude to all 'created' (contrived) creators.

 

04 - Unergründlichkeit

 [ "Dào wird als eine paradoxe Polarität beschrieben: Es steht für die Leere unendlicher Potentialität." [Simon].

 [ Der transzendente Anteil des Dào jenseits der Singularitätsgrenze, das Nichts, bedeutet gleich-"zeitig" die letztgültige Potentialität.

 

 01-04:

 Dào: wie sich ergießend, doch im Gebrauch

 wohl nicht zu füllen.

 

 Abgründig tief, oh,

 anscheinend aller Wesen Urgrund.

 01-02 Wie das Vakuum innerhalb des existierenden Universums bereits ein Füllhorn ist an virtuellen kürzestzeitigen Seienden, umso mehr ist die schöpferische Leere im imaginären Reich des Nichts unendlich überfließend.
 Doch ist diese formlose Leerheit niemals zu "füllen" oder zu erschöpfen - sich weise sehnend nach zeit-weisem Sein.

 03-04 De ursprüngliche Symmetriebruch der grossen Einheit von Sein und Nicht-Sein trat hervor aus reinster Potentialität.
 Anscheinend abgründig unbegreiflich in seiner Tiefgründigkeit, wird der Urgrund allen Seins von all den Geschöpfen als ältester Ahnherr bezeichnet: sich "zeit-weise" sehnend nach zeitlosem Nicht-Sein.

 

 05-08:

 Es mildert ihre Schärfe,

 entwirrt ihre Verwicklung,

 mildert ihren Glanz, und

 wird eins mit ihrem Staub.

 05-08 Entlehnt von Kap. 56:
 
 [ wird der ausgleichende und erlösende Wesenszug des Dào - nun in seinem immanenten Anteil - in vier Veranschaulichungen erläutert.
 
 [ Schärfe, Verwicklung, Glanz und Nicht-Eins-sein werden mittels der Sanftheit des Dào erleichtert: peu à peu zur ursprünglichlich ungebrochenen Symmetrie hin.
 
 [ Am Ende des Tages aller Tage werden alle Ge-schöpfe befreit in das Einssein mit ihrem irdischen Staub, alle Dinge mit ihrem Sternenstaub.
 
Diese Identifikation des Dào sogar mit dem Staub der Geschöpfe wurde als ähnlich vermerkt mit der christlichen Idee einer Synthese von Schöpfer und Geschöpf. [v. Strauß 1870 p. 25].

 

 09-12:

 Verborgen, oh,

 es scheint zu 'existieren' als bloße Möglichkeit.

 

 Wessen Kind? Ich weiß es nicht:

 offenbar des Himmelsherrn Vorspiel!

 09-10 Die Potentialität des Nichts träumt breits von der Möglichkeit von Etwas.

 11-12 Im Dàodéjīng , der 'Herr (des Himmels)', wird nur hier erwähnt: sogar dieser einst hächste Gott wird reduziert durch Dào als sein Vorläufer!
 Das Kind sucht nach seiner Herkunft: agnostische Ehrlichkeit verehrt das namenlose, 'zeitlose', unbe-greifliche Dào, das himmlische
Vorspiel zu allen 'erschaffenen' (erdachten) Schöpfern.

 

 

 

 

05

王弼 Wáng Bì 05

W:天地不仁以萬物為芻狗聖人不仁
     以百姓為芻狗天地之間其猶橐籥乎
     虛而不屈動而愈出多言數窮不如守   

 

河上公 Héshàng Gōng 05

H: 天地不仁以萬物為芻狗聖人不仁
     以百姓為芻狗天地之間其猶橐籥乎
     虛而不屈動而愈出多言數窮不如守   

 

傅奕 Fù Yì 05

F: 天地不仁以萬物為芻狗聖人不仁
     以百姓為芻狗天地之間其猶橐籥乎
     虛而不動而愈出多言數窮不如守   

 

北大 Běi Dà 05

B: 天地不仁以萬物為芻狗聖人不仁
     以百姓為芻狗天地之閒其猶橐籥
     虛而不屈動而數窮

 

馬王堆 Mǎwángduī  05

M:天地不仁    以萬物為芻狗∠  聲人不仁∠ 
     以百 □ □     天地      猶橐籥輿   
     虛而不淈    動而俞出   
數窮    不若守   

 

馬王堆 Mǎwángduī  05

m: 天地不仁    以萬物為芻狗 聖人不仁   
      □ 百姓為芻狗
    天地之閒    橐籥輿   
     虛而不淈
    動而俞出    數窮    不若守   

 

 Guōdiàn A12 = 5, 5–7

G:                                                                        
                                 天地之間
     虛而不屈動而愈出               
                            

 

 

 

05 - Creative Emptiness

 Confucius' (孔夫子 Kǒng  ) human kindness  ( rén), as a rule for social compatibility, is anthropocentric, hence, biased and not as universal as the Dào.
  
Mother Nature operates above all human claim of exceptionalism.

 

 01-04:

 Heaven and Earth are not 'humane'

 for all creatures are regarded as
 straw dogs to sacrifice.

 Neither are wise rulers 'humane'

 for all people are similarly regarded as
 straw dogs to sacrifice.

 01-04 At the end of their day... all creatures' occasional existence will be sacrificed like ritual straw dogs (preciously decorated, then carelessly thrown away) - for the higher idea of evolution: unbiased, impartial (ch. 79) to 'every-thing', insofar not "humane".

 
 With "... Pity and interference, the entities would not persist in their entirety [because this pity and interference would be partial and prefer some over others]. If the entities would not persist in their entirety, then [Heaven and Earth] would fail to completely take care of [all of the entities]."
[Wáng Bì / Wagner].

 
 The sages live the
Dào as Dé, before both are lost to humanity (ch. 18, 38), thus embodying the universal integrity of the Dào: as a role-model for an all-embracing ruler without any nepotism.

 
 

 05-08:

 Heaven and Earth – their interspace

 resembles the bellows:

 empty, and yet not collapsing:

 in motion generating all the more.

 Bellows or 'Drum or Flute': "...drum and flute are empty and hollow. [The flute] has no feelings [of its own to prefer one sound over the other]. [The drum] has no activity [of its own to create this resonance rather than another]."

 
 Both, drum and flute, are inexhaustible, and so the space between Heaven and Earth is inexhaustible; keeping to the middle, they "discard their selves and put themselves at the service of other entities so that there is non that is not well ordered." [
*].

 Being is born from Nothingness (ch. 40), that voluptuous, creative void.

 05-08 [scholion]. There are more things between Heaven and Earth... [Hamlet I, 5], because of the inexhaustible driving force of the empty space between both of them: creatively fluctuating, but never collapsing while forging our fate.
 Once in motion, the perpetuum mobile of the
Dào, symbolized as the bellows of Nature, will nourish and cherish all entities continuously.

 

 09-10:

 Many words frequently exhaust themselves;

 not just as if keeping your center.

 A proverbial wisdom in rhyme:
 
qióng + zhōng, evocative of Wittgenstein's "Where-of one cannot speak, thereof one must be silent." ["Wovon man nicht sprechen kann, darüber man man schweigen.", transl. by Ogden].

 09-10 From the self-limiting of the surface to the depth of contemplation (ch. 1), the network of words are exchanged for the sound of silence, and the perplexity of the periphery for the secureness of the center.

     
 Let go and find.

 

05 - Schöpferische Leere

 Die "Menschenfreundlichkeit" ( rén) des Konfuzius (孔夫子 Kǒng  ) als Regel zur Sozialverträglichkeit, ist anthropozentrisch, daher voreingenommen und nicht so universell wie das Dào.
 
Mutter Natur operiert oberhalb allen menschlichen Anspruchs auf Einzigartigkeit.

 

 01-04:

 Himmel und Erde  sind nicht 'menschlich'

 denn alle Geschöpfe werden betrachtet
 wie
Opferhunde aus Stroh.

 Auch Weise Herrscher sind nicht 'menschlich'

 denn alle Menschen werden ähnlich betrachtet
 
wie Opferhunde aus Stroh.

 01-04 Am Ende ihrer Tage ... wird die zeitweilige Existenz aller Kreaturen geopfert wie rituelle Strohhunde (kostbar geschmückt, dann achtlos weggeworfen) für die höhere Idee der Evolution: unvoreingenommen, unparteiisch (Kap. 79) 'allen Dingen' gegenüber, insofern nicht "menschenfreundlich".
 Mit
"... Mitleid und Eingreifen würden die Wesen nicht in ihrer Gesamtheit bestehen bleiben [da dieses Mitleid und das Eingreifen parteiisch wäre und einige gegenüber anderen bevorzugen würde]. Wenn die Wesen nicht in ihrer Gesamtheit bestehen bleiben, dann würden [Himmel und Erde] darin versagen, vollständig für [alle Wesen] zu sorgen." [Wáng Bì / Wagner].
 Weise leben das
Dào als Dé, bevor beides an die "Menschlichkeit" verlorenging (Kap 18, 38), sie verkörpern so die universelle Integrität des Dào: als Vorbild für allumfassende Herrscher ohne jegliche Vetternwirtschaft.

 

 05-08:

 Himmel und Erde – ihr Zwischenraum

 gleicht einem Blasebalg:

 leer, und doch nicht zusammenfallend:

 umso schöpferischer in Bewegung.

 Blasebalg oder 'Trommel oder Flöte': "...Trommel und Flöte sind leer und hohl. [Die Flöte] besitzt keine Gefühle [von sich selbst, einen Klange vor dem anderen zu bevorzugen]. [Die Trommel] zeigt keine Aktivität [von sich selbst, diese Resonanz eher als eine andere zu erzeugen]."
 Beide, Trommel und Flöte, sind unerschöpflich, und so ist der Raum zwischen Himmel und Erde unerschöpflich
; sich an die Mitte haltend, "legen sie ihre Selbste ab und stellen sich in den Dienst anderer Wesenheiten, so dass es keine gibt, die nicht wohlbestellt ist." [*].

 Das Sein entstand aus dem Nichts (Kap. 40), jener ausschweifenden, kreativen Leere.

 05-08 [Scholie]. Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde ... [Hamlet I, 5] aufgrund der unerschöpflichen Antriebskraft des leeren Raums zwischen den beiden: schöpferisch hin- und herpendelnd, doch niemals zusammenfallend im Schmieden unserer Geschicke.
 Einmal in Bewegung, wird das Perpetuum mobile des
Dào, symbolisiert im Blasebalg der Natur, alle Wesen fortdauernd hegen und pflegen.

 

 09-10:

 Viele Worte erschöpfen sich häufig:

 nicht gerade, als bewahrte man seine Mitte.

 Spruchweisheit in Reimform:
 窮 qióng + zhōng, erinnernd an Wittgenstein's "Wovon man nicht sprechen kann, darüber man man schweigen." [German original, 1921].

 

 09-10 Von der Selbstbegrenzung der Oberfläche zur Tiefe der Versenkung (Kap. 1) muss das Netzwerk der Worte gegen den Klang der Stille eingetauscht werden, die Ratlosigkeit des Randbereichs gegen die Geborgenheit der Mitte.
 Lass los und finde.

 

 

 

 

06

王弼 Wáng Bì 06

W:谷神不死    是謂玄   
     玄牝之門    是謂天地   
     綿綿        若存用之不勤

 

河上公 Héshàng Gōng 06

H: 谷神不死是謂玄   
     玄牝之門是謂天地   
     綿綿        若存用之不勤

 

傅奕 Fù Yì 05

F: 谷神不死是謂玄   
     玄牝之門是謂天地
     綿綿        若存用之不勤

 

北大 Běi Dà 06

B: 谷神不死是謂玄牝
     玄牝之門是謂天地
             若存用之不

 

馬王堆 Mǎwángduī  06

M:    玄牝                             (玄﹦牝 ﹦)
     玄牝之
    
     
    若存    用之不                 (縣 ﹦)

 

馬王堆 Mǎwángduī  06

m:神 不 死    玄牝                            (玄﹦牝 ﹦)
    
玄牝 之門    天地之   
     若 存    用之不                     (縣 ﹦)

 

 

06 - The Mystical Female

 [ Mentioned in 列子 Lièzǐ (~ 440-360) as pre-Lǎozĭ rhymed (aa bbbb) teaching, going back to the 'Yellow Emperor'.

 [ Alternative interpretation: life-prolonging breathing techniques by 河上公 Héshàng Gōng ridiculed by 庄子 Zhuāngzǐ (~ 365-290) in ch. XV.

 

 01-06

 The spirit of the valley is immortal: 

 called the dark female...

 Mystic female's gate –

 called Heaven's and Earth's root:

 intangible, though seemingly existing

 inexhaustible its use.

 01 "The 'Spirit of the valley' is the non-valley in the middle of the valley" [王弼 Wáng Bì / Wagner, 2000, 210].
 The Spirit (
ch. 29) of the valley (ch. 39.04-05) is form- and motionless,
passive-low (ch. 66, 32; 28)   as the empty middle surrounded by fullness (ch. 11, 5), calm as the highest entity.
 
This Yin perspective of the Dào is like a riverbed's never ending flowing out, never dying its stream of coming into being.

 02 Called (), not defined () mysterious, dark (~Heaven) and female (~Earth): the transcendent, nameless, inexhaustible Dào, once through the parturient canal of the Gate, becomes womb and nurturing mother of 'every-thing'.

 03-04 That mystic female's gate (ch. 1) between Beginning and Mother, gives life to Yin and Yang as the basis of all entities, also called the root (source and origin; ch. 16) of Heaven and Earth.

 

 05-06 Intangible: Dào is immaterial and inconceivable, but still just as if existing: ... like a (neverending) silken string, wished that it exists, it does not show its form, wished... that it does not exist, all entities are generated by it.

 
 In
exhaustible: no entity is not completed by it, but while being used, Dào always gives effortlessly.

 

06 - Das Mystisch-Weibliche

 [ Von 列子 Lièzǐ (~ 440-360) als gereimte Lehrsprüche vor (aa bbbb) Lǎozĭ erwähnt, als auf den 'Gelben Kaiser' zurückgehend.

 [ Alternative Deutung: lebensverlängernde Atemtech-niken breathing durch 河上公 Héshàng Gōng verlacht von 庄子 Zhuāngzǐ (~ 365-290) in ch. XV.

 

 01-06:

 Unsterblich ist der Geist des Tals:

 genannt das dunkle Weibliche ...

 Des mystisch Weiblichen Pforte,

 genannt aller Welt Uranfang:

 ungreifbar, ist er doch offensichtlich da

 unerschöpflich sein Nutzen.

 01 "Der 'Geist des Tals' ist das Nicht-Tal in der Mitte des Tals" [王弼 Wáng Bì / Wagner, 2000, 210].

 
 
Der Geist (
ch. 29) des Tals (ch. 39.04-05) ist form- und bewegungslos, passiv-niedrig (ch. 66, 32; 28) als die leere Mitte, umgeben von Fülle (ch. 11, 5), gelassen als höchtes Wesen.
 Diese Yin-Perspektive des
Dào gleicht einem Flussbett, das unaufhörlich ausfließt, und dessen Strömung ins Dasein nie versiegen wird. 

 02 Genannt (), nicht definiert () als geheimnisvoll, dunkel (~Himmel) und weiblich (~Erde): das transzendente, namenlose, unerschöpfliche Dào, einmal durch den Geburtskanal der Pforte gelangt, wird zu Mutterschoß und nährender Mutter von allem.

 03-04 Diese mystische Tor des Weiblichen (ch. 1) zwischen Ursprung und Mutter, schenkt Leben an Yin und Yang als der Grundlage aller Wesen, auch Wurzel genannt (Quelle und Urgrund, ch. 16) von Himmel und Erde.

 05-06 Unfassbar: das Dào ist immateriell und unbegreiflich, aber dennoch gleichsam als ob existent: ... wie ein (nicht-enden wollender) Seidenfaden, wünscht man, dass es da sei, zeigt es nicht seine Form, wünscht man, dass es nicht da sein, werden doch alle Wesen durch es entstehen.
 Unerschöpflich: kein Wesen, das nicht durch das Dào vollendet wird, doch im Gebrauch schenkt das Dào
stets mühelos.

 

 

 

 

07

王弼 Wáng Bì 07

W:天長地久天地    所以能長且久者
     以其不自生故能長生
     是以聖人後其身
    而身先
     外其身
    而身存                       
         以其無私邪故能成其私

 

河上公 Héshàng Gōng 07

H: 天長地久天地    所以能長且久者
     以其不自生故能長生
     是以聖人後其身而身先
     外其身而身存                       
         以其無私耶故能成其私

 

傅奕 Fù Yì 07

F: 天長地久天地    所以能長且久者
     以其不自生故能長生
     是以聖人後其身而身先
     外其身而身存                       
         以其無私邪故能成其私

 

北大 Běi Dà 07

B: 天長地久天地所以能長且久者
     以其不自生也,故能長生
     是以聖人後其身
    而身先
     外其身
    而身存                   
         以其無私故能成其私

 

馬王堆 Mǎwángduī  07

M:天長地久    天地所以能且久者   
     以其不自生    故能長生
     是以聲人其身
    而身先
     外其身
    而身                           
    
存不以亓無 輿故能成其私

 

馬王堆 Mǎwángduī  07

m: 天長地久    天地所以能長且久者   
     以亓不自生也    故能長生
   
     是以聖人退亓身
    而身先   
     外亓身    而身        先外亓身而身   
     存不以亓無私輿    故能成亓私   

 

 

 

07 - Everlasting unselfishness

 Only Dào is timeless.
 Humility preserves, frugality fulfills.

 

 01-04:

 Heaven seems constant,
 Earth seems enduring.

 Therefore Heaven and Earth
 can
be
constant and stable:

 because they do not persist for themselves,

 hence they can exist constantly.

 01 "Heaven 'excels', Earth persists ... Should they live for their own interests, they would struggle with [other] entities. As they do not live for their own interests, the [other] entities relate back to them." [王弼 Wáng Bì / Wagner].
 Hence, a
fter having passed the Gate to non-nothingness, Dào is everywhere between Heaven and Earth unconditionally constant and durable.

 

 02 Still following the spirit of Dào, all world has the capacity (Dé) of being constant and enduring.
 Hereby Heaven and Earth obey the laws of Nature which follow the role model of
Dào, touching its timelessness.

 

 03-04 Dào is not selfish (ch. 2, 13, 19, 22, 26) and it acts without claiming (ch. 2, 34). 
 Corresp
ondingly, Heaven and Earth do not follow any intentions of their own, they do not "live" for themselves, therefore they are able to persist, being called "long-lived".

 

 

 05-10:

 Hence: Wise men
 put
last their own person,

 and yet are they themselves ahead;

 they renounce their self-concerns,

 and yet is their person preserved.

 Is that not, because
 they
have
no self-interests?

 Thus, they can fulfill
 their private aims.

 05-08 Wise men emulate Nature's unselfish, impartial, and unbiased Way.
 Correspondingly, they put
their self last, they exclude their self-concerns, and relinquish their own persons.
 Yet the "motherly" paradox of
Dào's acting without acting leads the sages ahead of all others and lets their persons preserved.

 

  09-10 Lǎozĭ 's rhetorical question is focussed on aimless self-forgetfulness as the sages' crucial trait.
 
He finally emphasizes just that quality as essential to let paradoxically complete their self-interests and to accomplish their private aims.

 V. Strauß compares that with "So the last will be first, and the first will be last.” [Matthew, 20:16] and "And whosoever shall exalt himself shall be abased; and he that shall humble himself shall be exalted." [Matthew 23:12], in Nietzsche's version: "... and he that shall humble himself intends to be exalted."

 

07 - Unvergängliche Selbstlosigkeit

 Nur das Dào ist zeitlos.
 Demut bewahrt, Genügsamkeit erfüllt.

 

 01-04: 

 Der Himmel scheint ewig,
 die
Erde
dauerhaft.

 Dadurch vermögen Himmel und Erde
 so
beständig und von Dauer sein:

 weil sie nicht für sich selbst leben,

 daher können sie beständig bestehen.

 01  "Der Himmel  'überragt', Die Erde dauert an ... Sollten sie für ihre eigenen Interessen leben, sie würden mit [anderen] Wesen ringen. Da sie nicht für ihre eigenen Interessen leben, führen sich die [anderen] Wesen auf sie zurück." [王弼 Wáng Bì / Wagner].
 
Nachdem das Tor zum Nicht-Nichts passiert war, ist daher
Dào überall zwischen Himmel und Erde unbedingt beständig und dauerhaft.

 02 Noch immer dem Geist des Dào folgend, besitzt die Welt die Kapazität (Dé), beständig und langanhaltend zu sein.
 Dabei gehorchen Himmel und Erde den Naturgesetzen, welche wiederum dem Vorbild des
Dào folgen und dessen Zeitlosigkeit berühren.

 03-04 Dào ist nicht eigennützig (Kap. 2, 13, 19, 22, 26) und handelt ohne einzufordern (Kap. 2, 34). 
 Entsprechend folgen Himmel und Erde keinerlei eigenen Absichten, sie "leben" nicht sich selbst wegen, daher sind sie in der Lage, fortzudauern und "langlebig" genannt zu werden.

 

 05-10:  

 Darum: Weise Menschen
 stellen
ihr Selbst hintan

 und gehen doch selbst voraus,

 entäußern sich ihrer eigenen Person –

 und doch bleibt ihre Person bewahrt.

 Nicht wahr: weil
 sie keine Eigeninteressen vertreten,

 darum können sie
 ihre persönlichen Ziele erfüllen.

 05-08 Weise streben dem uneigennützigen, unparteiischen und unvoreingenommenen Weg der Natur nach.
 Entsprechend setzen sie ihr Selbst hintan, sie berücksichtigen ihre Eigenbelange nicht und entäußern sich ihrer eigenen Person. 

 Dennoch führt die "mütterliche" Paradoxie des Dào in seinem Handeln ohne zu handeln
die Weisen allen voran und lässt sie als Person bewahrt bleiben.

 09-10 Lǎozĭ's rhetorische Frage zielt